Die „Moai“ – Redcatt 210.1 Neodym

Eine neue Lautsprecherentwicklung sollte immer etwas besonderes sein. Hervorragende Feinauflösung, sehr gutes Preisleistungsverhältnis, überwältigende Tieftoneigenschaften oder Wirkungsgrad bzw. Maximalpegel sind daher oft die Fluchtpunkte bei den Überlegungen hinter neuen Entwicklungen. Für die „Moai“ standen bei uns Dynamik und Pegelreserven im Vordergrund – bei einem f3 von zumindest knapp 40hz. Wir wollten Gewitter erzeugen können und das ist uns ganz anständig gelungen. Den Namen „Moai“ haben wir der Entwicklung in Anlehnung an die Figuren auf den Osterinseln gegeben, die doch eine gewisse Ähnlichkeit zu unseren leicht angeschrägten Kolossen haben:

Die Chassis

Für dieses Power-Hifi-Projekt haben wir die REDCATT 101NPMX8 Neodymbässe ausgewählt, die sich durch einen sehr hohen Wirkungsgrad (96dB 1W / 1M), einen wunderbar geraden Frequenzgang und geringen Klirr auszeichnen. Polkernbohrung und hinterlüftete Zentrierspinne sorgen für eine gute Wärmeabführung von der Spule und verhindern Kompressionsprobleme bei größeren Auslenkungen. Aufgrund des Neodymmagneten ist das Chassi mit 2,9kg extrem leicht – daher werden wir das Konzept zeitnah auch als sehr kleines und leichtes PA-Topteil anbieten. Anzumerken ist jedoch, dass es sich bei der Membranfläche eher um einen 9 Zöller als um einen 10 Zöller handelt. Trotzdem machen die Woofer mehr als genug Druck, versprochen 😉

Im Hochton wenden wir uns einmal mehr an den Redcatt 140FCD im LaVoce-Horn. In Sachen Pegelfestigkeit und Auflösung hält diese Hochtonkombination ohne weiteres bei den beiden PA-Bässen mit. Ihre Qualitäten hat sie nun schon in der Retro-Hifi-PA von Bernd Timmermanns und unseren Red Tops zu genüge unter Beweis gestellt.

Das Gehäuse

Das Gehäuse durfte ruhig etwas größer werden. Damit die beiden Woofer ohne größeren Pegelverlusten auch noch souverän im Subbass operieren können waren 120L eine passende Dimensionierung. Mit f3=38hz, f6=33hz ist auch untenrum für alles gesorgt. Die Abstimmung auf 39hz erfolgt dabei über 2 BR/HP100 in voller Länge. Über die grüne Linie kann der realistische Maximalpegel im Rahmen der linearen Auslenkung nachvollzogen werden. Durch die tiefe Abstimmung ist hier eine Senke im Nutzbassbereich bis 116db zu erkennen. Wer sich im Bereich eines gerade Frequenzganges aufhalten möchte, sollte also entweder die 122dB im Stereomodus nicht überschreiten oder eine höhere Abstimmung wählen, bei der im Nutzbassbereich sogar Pegel von „echten“ 130dB möglich sind. Wir müssen hier aber nochmal mit Nachdruck betonen, dass 122dB schon viel mehr als genug sind. Wir sind alles andere als Lautstärkeempfindlich und in unserem etwa 40m² großen Messlabor drücken die Boxen schon bei halb aufgedrehtem Regler so dermaßen erbarmungslos, dass wir uns nicht trauen weiter aufzudrehen. Auch zu erkennen an der grünen Linie ist, dass der Bereich der Abstimmfrequenz bei +/-40hz bei Bedarf ruhig noch aktiv angehoben werden kann – hier gibt es ordentlich Headroom.

Die leicht trapezförmige Bauform dickt den Bass noch ein wenig auf. Praktisch ist außerdem, wie wir erst beim Probehören festgestellt haben, dass man in etwa 3m Entfernung sowohl im Sitzen als auch im Stehen nur minimal außer Winkel hört – was ohnehin bei dem günstigen Abstrahlverhalten des Hochtöners kein großes Problem darstellt. Die PA-Tauglichkeit des Lautsprechers kann man also durchaus auch mal durch eine Tanzeinlage würdigen ohne dass das audiophile akustische Erleben dadurch eingeschränkt wird.

Weiche

Den Bass haben wir mit einem tief angesetzten und flach auslaufenden Tiefpass zweiter Ordnung getrennt. Der Saugkreis dämpft eine Überhöhung zwischen etwa 80 und 800hz seicht ab.

Das Hochtonhorn wird aufgrund des enormen Wirkungsgrades zuerst mit ganzen 27 Ohm heruntergezogen und bekommt ebenfalls einen Hochpass zweiter Ordnung. Durch die anschließende Parallelschaltung eines großen Widerstandes und eines kleinen Kondensators wird einerseits der kritische Frequenzbereich um 7khz mit seinen potentiell unangenehmen Zischlauten leicht unterbetont. Andererseits schwingt dadurch der Frequenzbereich über 10khz noch einmal leicht auf wodurch ein angenehm frischer Brillanz-Bereich bleibt. Die Trennung findet bei ungefähr 2,5khz statt.

Messung

Mit den Messungen im Raum sind wir sehr zufrieden. Die etwas „dickere“ Bassbetonung mit etwa +3db ist für solche high-SPL-Lautsprecher unserer Meinung nach angemessen, da bei höheren Pegeln und neutraler Abmischung der Hochton doch etwas zu aggressiv wirkt. Wie immer beginnen unter 1khz die Raummoden sukzessive damit Wellen in den Frequenzgang zu schlagen. Klar ist, dass man im Bass nur mit einer Raumeinmessung zu perfekten Ergebnissen gelangt. Erkennbar ist dennoch, dass volle Pegel bis unter 40hz problemlos möglich sind.

Der Klang

Was erwartet man von doppel-10er Boliden mit Druckkammerhochtönern in einem lauschigen Hifi-Hörraum? Gewalt. Und die gab es dann auch. Oft spricht man beim Testhören von „realistischen Pegeln“, übliche Hifi-Konstruktionen müssen sich in dieser Kategorie jedoch weit hinten anstellen. Auf der Moai hat man wirklich in vollem Umfang das Gefühl, dass direkt vor einem Saxophon gespielt wird. Weit über angenehmen Lautstärken spielen die Türme noch vollkommen souverän, kontourenscharf und verzerrungsfrei. Das macht einen großen Unterschied vom akustischen Höreindruck zu anderen Lautsprechern, die womöglich ebenfalls „realistische Pegel“ wiedergeben können, aufgrund des fehlenden Headrooms jedoch weniger fein, weniger leichtfüßig, eben weniger realistisch… Diese Souveränität macht sich vor allem bemerkbar, wenn bei hoher Lautstärke und hinter stark betonten Blasinstrumenten im Jazz noch leise Atemgeräusche der Sängerin wunderbar natürlich wahrnehmbar sind und auch der seichte Schlagzeugbesen detailreich abgebildet wird. Räumlichkeit und Tiefenstaffelung sind überzeugend. Jedes Instrument ist eindeutig im Raum lokalisierbar. Einem wird ein grandioses Konzertgefühl geboten.
Fast schon angsteinflößend sind die Dynamikattacken die die Moai lostreten kann. Etwa bei „Extended Technique“ von Athletic Progression und Brother Portrait wird man so aggressiv und schonungslos von der Percussion durchgewalkt, dass es schon an Reizüberflutung grenzt. Übrigens: Bei so hohen Pegeln sollte man den Loudness-Effekt beachten. Bei diesen Schalldrücken reagiert des Ohr nämlich sehr viel empfindlicher auf Höhen. Falls keine aktiven Einstellungsmöglichkeiten bereitstehen empfiehlt es sich hier zum Beispiel ein zweites Anschlussfeld anzubringen das im Hochton nicht über den 27 Ohm, sondern über einen 33 Ohm Widerstand läuft.
Letztlich sind auch die Basseigenschaften überzeugend. Die hart aufgehangenen PA-Bässe werden hier kein Bisschen träge. Der Bass bleibt konstant straff, kontourenscharf und erbarmungslos dynamisch. Wer einen warmen und weichen Sound sucht sollte hier eher zu anderen Konzepten greifen.
Auch elektronische, tiefbassorientierte Stücke wie „Fens“ von Klaus sind keine große Herausforderung für die Moai. Erdbebenartiger Körperschall ist nun nicht bei jedem Musikgeschmack benötigt, aber es hat schon etwas besonderes, majestätisches, sich ab und an auch von solchen Frequenzbereichen durchfließen zu lassen.

Die Moai ist ein ausgezeichneter Lautsprecher für Powerhifi und Heimkino. Der bisher wohl gewaltigste und dynamischste Lautsprecher aus unserem Hause.

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